Warum ein weiteres Dampfschiff?


Die Dampferfreunde und die BLS bringen ein drittes Dampfschiff auf die Berner Oberländer Seen. Noch steht das «Spiezerli» auf dem Trockendock. Doch schon bald soll es wieder in See stechen - warum, erklärt David Beeler, Präsident der Dampferfreunde, im Interview.

 

David Beeler, warum braucht es ein Dampfschiff Spiez auf dem Thunersee?

Um es mal salopp zu sagen: Es braucht kein Schiff Spiez, ob diesel- oder dampfbetrieben. Aber wir als Dampferfreunde haben uns vor Jahren den Erhalt des letzten grösseren Schraubenschiffs des Typ Spiez auf die Fahnen geschrieben. Dieser Schiffstyp war auf verschiedenen Seen anzutreffen. Ich erinnere mich gut an die Rigi auf dem Zugersee. Geblieben ist nur noch das Spiezerli. Dass es nun sogar mit einer Dampfmaschine wieder auf den See zurückkommt, freut mich besonders, ebenso, dass die BLS und die Dampferfreunde gemeinsam dieses sympathische Schiff wieder in Betrieb nehmen wollen.

 

 

«Wir sollen uns auch Dinge leisten, die

schlicht Freude bereiten.»

 

Die Suche nach einer passenden Dampfmaschine war schwierig. Warum?

Ganz einfach: Weil niemand mehr industriell Schiffsdampfmaschinen baut. Sulzer lieferte 1928 die letzte Dampfmaschine (jene der Stadt Luzern auf dem Vierwaldstättersee), Escher Wyss stellt den Bau von solchen Maschinen vor über 100 Jahren ein. Occasionsmaschinen sind meist ebenso um 100 Jahre alt und da gilt es dann schon vorsichtig zu sein. Hält eine solche Maschine –auch bei sorgfältiger Restaurierung – wieder 30 bis 40 Jahre? Wir haben nun den Glücksfall, dass in Winterthur mit Ingenieur Roger Waller und seiner DLM AG jemand da ist, der noch Dampfmaschinen baut. Erschwerend kommt hinzu, dass es nicht nur um die Maschine, sondern auch um den Kessel geht, um ein ganzes System der Dampferzeugung. Und am Schluss – und das ist eine echte Herausforderung – müssen alle Teile in die gegebenen Räume passen.

 

Lohnt sich der Aufwand – die Passagiere werden von der Dampfmaschine nicht viel sehen können?

Wir suchen nach Lösungen, mit denen die Maschine sichtbar wird, beispielsweise mit begehbaren Glasplatten im Boden, wie sie auch auf anderen Seen bereits mit Erfolg eingebaut wurden. Betriebswirtschaftlich gesehen lohnt sich der Aufwand nicht, das ist klar. Aber aus rein betriebswirtschaftlicher Optik lohnt sich auch der Betrieb praktisch aller anderen Dampfschiffe nicht, dürfte keine Dampflok mehr von Brienz aufs Rothorn fahren, müsste das Schloss Thun schleunigst einem Investor verkauft werden. Ich meine: Zum Glück gibt es viele, die Freude an Dingen haben, die sich eigentlich nicht lohnen und das auch mit Spenden kund tun. Ich sage das als Betriebsökonom: Wir wollen und sollen uns auch Dinge leisten, die schlicht Freude bereiten!

 

Das Spiezerli wurde in seiner langen Geschichte mehrmals umgebaut. Welche Version werden wir sehen?

Das Schiff kommt in der Version 2018! Mit einem Dampfschiff-Kamin und Fenstern im Unterdeck. Wir nehmen Rückgriff auf Stilelemente früherer Jahre, aber es wird Ausgabe des 21. Jahrhunderts.

 

 

«Gewisse Stilelemente früherer Jahre fliessen ein, doch es wird eine Ausgabe des 21. Jahrhunderts sein.»

 

Welche Hürden müssen jetzt noch überwunden werden?

Jetzt läuft es, Schritt für Schritt. Die Maschine ist bestellt, das Bewilligungsverfahren läuft, der Projektleiter sorgt für den Takt. Es muss aber beispielsweise neben der technischen Seite (Probe- und Einstellungsfahrten) auch dafür gesorgt werden, dass nautisches Personal der BLS geschult wird und den Umgang mit dem neuen Schiff üben kann. 

 

Ist es schwierig, für das Projekt Spenden zu sammeln?

Wir haben das Privileg, auf einen grossen Stamm treuer Freunde zählen zu können. Je weiter die Arbeiten fortschreiten, desto mehr werden wir auch zeigen können, was nun wieder entsteht. Für 2017 und 2018 sind Sammelaktionen geplant. Dankbar weise ich aber auch darauf hin, dass die Wiederinbetriebnahme nicht möglich wäre, hätte uns nicht der grosse Dampfschiff-Fan Marc Oesterle mit einer runden Million Franken unterstützt!